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Die Regeln auf dem Kontaktmarkt – eine wissenschaftliche Betrachtung
Wenn man es nüchtern betrachtet, könnte man die Partnersuche als einen riesigen Markt bezeichnen, auf dem jeder Liebe und bestimmte Werte anbietet und nachfragt. Diese Sichtweise ist natürlich sehr abstrakt und kaum jemand schafft es, bei der Kontaktsuche die Marktgesetze zu nutzen und rein rational zu handeln. Viele wissen gar nicht, welche Gesetze sie unbewusst bei der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner fürs Leben anwenden.
Wie lauten also die Gesetze dieses geheimnisvollen Markts, der für uns so undurchschaubar erscheint?
Es ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse, eine erfüllte und glückliche Partnerschaft zu führen. Nach dieser Beziehung suchen manche ihr Leben lang. Aus den vielen Suchenden formiert sich eine Art Markt, der aus Angebot und Nachfrage besteht. Eine Besonderheit des Kontaktmarktes ist die Tatsache, dass jeder, der auf der Nachfrageseite steht, auch gleichzeitig auf der Angebotsseite positioniert ist: dadurch, dass wir einen Partner suchen, bieten wir uns gleichzeitig auch als potenziellen Partner an. Dennoch ist unser Angebot nicht gleich unserer Nachfrage, da wir nicht das suchen, was wir selbst anbieten, sondern in der Regel das Gegenteil.
Der Kontaktmarkt und seine Mechanismen
Das jeweils andere Geschlecht kann also als knappe Ressource angesehen werden, die es gilt, sich zu 'sichern', bevor es ein anderer tut. Die Evolution ist dafür verantwortlich, dass Männer hauptsächlich nach möglichst gebärfreudigen Frauen suchen. Das bedeutet, sie werden tendenziell eine junge Frau suchen, die möglichst viele Indikatoren von Fruchtbarkeit aufweist. Frauen hingegen suchen Männer, die fest im Leben stehen und Sicherheit bieten.

Der 'Tauschhandel', der auf dem Kontaktmarkt abgewickelt wird, funktioniert folgendermaßen: Jugend und Schönheit werden getauscht gegen Geld und Macht. Um sich möglichst jugendlich oder besonders mächtig zu präsentieren, agieren die Teilnehmer des Partnermarktes ebenfalls auf anderen Märkten: so kommt es, dass z.B. die Kosmetikindustrie und die Automobilindustrie indirekt an der Single Suche verdienen.
Dennoch gibt es bestimmte Tendenzen, die der soziobiologischen These, dass Männer auf Fruchtbarkeit und Frauen auf Macht reagieren, widersprechen. So geht zum Beispiel das weibliche Idealbild stetig weg von der kurvigen Frau mit Fettreserven (die eine optimale Mutter darstellen würde) hin zur dünnen, fast schon knabenartigen Figur. Dies wird von Eckart Volandt in seinem 'Grundkurs Soziobiologie' (Beck, München 2007) damit begründet, dass die Kontaktsuche außerdem von den jeweiligen internen und externen Umständen abhängt. Diese werden unbewusst mit 'eingerechnet', wenn man sich einen neuen Partner sucht. Dazu gehören zum Beispiel der individuelle Wunsch nach einer Familie, das Bedürfnis nach Sicherheit oder die Verbreitung von Parasiten innerhalb der Bevölkerung. Ja, es stimmt: In einer Bevölkerung, die stark durch Parasiten belastet ist, wird jeder einen Partner mit möglichst symmetrischen Gesichtszügen suchen, da Symmetrie Entwicklungsstabilität signalisiert, was bedeutet, dass der Organismus gut mit Krankheitserregern zurechtkommt. Volandt bezeichnet die Einberechnung der internen und externen Umstände als die Ökologie der Liebe, die zur Biologie der Liebe hinzukommt.
Sind dünne Frauen beliebter, weil Männer keine Familie mehr gründen wollen?
Wer also großen Wert auf Familie und Kinder legt, wird tatsächlich Ausschau nach einer jungen Frau mit breitem Becken und kleinen Fettreserven suchen. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass die Beliebtheit sehr schlanker Frauen darauf zurückzuführen ist, dass sich Männer heutzutage keine Familie mehr wünschen. Diese These würde auch mit der wissenschaftlich nachgewiesenen sinkenden Geburtenrate zusammenpassen.
Wie dieses Phänomen bewertet werden soll, müsste natürlich noch genauer untersucht werden. Fest steht, dass man auf dem Kontaktmarkt eben nicht nach rein biologischen Kriterien vorgeht, die für alle Menschen gleich sind, sondern auch seine persönliche Situation in die Kontaktsuche mit einfließen lässt. Letztendlich suchen wir also doch nicht alle das Gleiche. Jeder, auch bei einem noch so harten Konkurrenzkampf, wird demnach eines Tages den/die Richtige/n finden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass man an den Partnerbörsen seinen eigenen 'Marktwert' einschätzen kann und dementsprechend Kompromisse machen muss.
Unbewusst 'berechnen' wir also eine ganze Menge, wenn wir auf dem Kontaktmarkt agieren. Dadurch, dass wir dies unbemerkt tun, gehen das Kribbeln und die Aufregung, die eine neue Bekanntschaft mit sich bringt, nicht verloren – und das ist auch gut so.
